ungewöhnliche und berührende formate, ideen, konzepte und geschichten.

Seit Anbeginn der menschlichen Historie waren es immer Erlebnisse und Geschichten, die es wert waren, von Generation zu Generation überliefert zu werden – von den Höhlenmalereien bis zu den digitalen Spuren im Netz unserer Zeit.

„Let´s talk about Death!” – So kam es dazu…

„Let´s talk about death, baby! Let´s talk about you and me…“ – so betrat ich eines Morgens nach dem Aufstehen meine Küche und die Melodie von Salt´n´Pepa verfolgte mich fortan als Ohrwurm. Er nervte mich mehrere Monate lang, bis ich anfing, etwas daraus zu machen.

Zu dieser Zeit war ich in einem stationären Hospiz angestellt und täglich mit dem Tod konfrontiert. Wenn ich in mein „normales“ Leben zurückkehrte, passierte immer wieder das Gleiche, wenn ich meine neue Beschäftigung ansprach: Das große Schweigen betrat den Raum.

Auch im Hospiz, bei den Angehörigen und manchen Sterbenden traf ich auf große Sprachlosigkeit. Über etwas zu sprechen, was so unbegreifbar ist, meist verdrängt, angstvoll besetzt und ausgesperrt aus der Gesellschaft – das fällt einfach schwer!
Die besten Gesprächspartner zu den Themen Sterben und Tod sind und bleiben Kinder: Die fragen einfach drauf los und wollen handfeste Informationen haben, kennen keine Hemmungen vor falschen Fragen, wie wir Erwachsenen. Dabei gibt es keine falschen Fragen, das weiß ich heute. Es gibt nur unempathische Antworten.

Zurück zum Ohrwurm. Er ließ mich nicht los und ich dachte weiter: Wie wäre es einen Ort zu haben an dem man ganz unkompliziert ins Gespräch über den Tod kommen könnte? Ein gemütlicher, unverbindlicher Ort, mit kuscheligen Sofas, heißem Tee und kühlem Bier. Ein Ort, der die Schwere des Themas ausgleicht. Und dort ein regelmäßiges Treffen veranstalten, eine Art Gesprächsrunde – ein Stammtisch unter dem Motto: Zuhören, erzählen, philosophieren! Ich erzählte meiner Freundin und damaligen Kollegin Daniela Glänzer von meiner Idee und sie war genauso begeistert davon, wie ich. Wir waren ab sofort ein Team und legten los. Die Wahl des Ortes fiel auf ein angesagtes Wiesbadener Café mit einem separaten Raum: Vom Cafébetrieb akustisch getrennt durch eine Glastüre sind wir so für uns und doch mittendrin. Ich entwickelte Logo und Website, wir druckten Flyer und gingen mit unserer Idee an die Presse, die – angetan von der Idee – darüber berichtete.

Am Eröffnungsabend im Februar 2015 warteten wir voller Aufregung auf die Teilnehmer – es war ein Experiment und ein Wagnis, auf das wir uns da einließen: Gab es noch andere Menschen, die wie wir über Tod und Sterben sprechen wollten? 

Die Resonanz war umwerfend und zeigte uns, dass wir auf dem richtigen Weg waren: 25 Menschen kamen. Das Feedback war durch die Reihe positiv und wir waren begeistert!

Dennoch wussten wir, dass sich unser Stammtisch erst mal bewähren musste. Und bis jetzt hat er das: Im Durchschnitt kommen zu den Treffen zehn bis zwölf junge und ältere Menschen mit unterschiedlichsten Hintergründen und Professionen. Immer ein abwechslungsreicher Mix aus Interessierten und Fachmenschen aus dem Hospiz- und Palliativbereich. Alle vereint jedoch das Bedürfnis, sich den Themen Tod, Sterben, Abschied und Trauer zu zuwenden und sich darüber auszutauschen.
Anfangs gibt es immer eine kurze Vorstellungsrunde, wobei gilt: Wer nur zuhören will, der darf schweigen. Dann werfen wir ein Thema in die Runde, meist verbunden mit einer Geschichte. Dann entsteht eine eigene Dynamik und jeder hat etwas dazu zu erzählen. Wir alle sind jedes Mal begeistert von der Offenheit, dem Vertrauen und der Toleranz unserer Teilnehmer und jede Frage führt zu 100 neuen. Und auf so viele gibt es keine Antwort…
Angsteinflößend. Spannend. Lebendig.
Immer liegt nach unserem Stammtisch ein Gefühl von Gemeinschaft und dieses magische Etwas in der Luft. Das, was immer da ist, wenn man sich öffnet, anderen wirklich zuhört und seine Ängste und Sorgen teilt.

Der unkonventionelle Name und die Gestaltung werden regelmäßig gelobt, auch der Austausch unter Fremden findet großen Anklang: Man wäre gleich viel offener, heißt es. Es sei gemütlich hier im Café, man fühle sich wohl. Viele unserer Teilnehmer sind inzwischen zu Stammgästen geworden und traurig, wenn sie einen Stammtisch verpassen.

Ich persönlich glaube, dass jeder eine Geschichte zu diesen Themen zu erzählen hat. Ach was, viele Geschichten.



Erlebnisberichte von den einzelnen Abenden gibt es hier auf Facebook zu lesen: Facebook

Hier geht´s zu der kompletten Gestaltung: www.corinna-leibig-gestaltet.de